Oder: Meine Corona-Infektion und der Kampf mit Long-Covid

Der alte Inhalt meiner alten Homepage ist nun hier intrigriert, aber es liegt noch eine Menge Arbeit vor mir.
Erschwerend kommt dazu, dass mir leider die Kraft fehlt, in meine Page die Zeit zu investieren, wie ich es gerne hätte.
Ich hatte mir Ende November2020 hatte ich mich auf der Arbeit mit Corona infiziert… einer der partysüchtigen und „ist doch alles nicht so schlimm“-Jungfacharbeitern war höchstwahrscheinlich der Seuchenherd bei meiner Infektion.
Das einzige, woran ich bemerkte, dass ich mir den Mist wohl eingefangen hatte, war das mein Geruchs- und Geschmacksinn von „jetzt auf gleich“ komplett weg war.
Und mit „weg“ meine ich wirklich komplett weg! Viele meinen jetzt „Ach, ich hatte auch mal mein Geschmack verloren und auch nix mehr geschmeckt, wo ich erkältet war!“ – Nein, das ist wirklich kein Vergleich… Stark eingeschränkt ja, komplet weg wie bei einer Corona-Infektion sicherlich nicht! Ich kenne den Unterschied.
Ich versuche es mal mit einem Vergleich: Stellt euch vor, das wäre jetzt nicht der Geruchs- und Geschmackssinn, sondern die Fähigkeit „sehen zu können“!
Ein gesunderMensch würde dann ein Bild normal inseiner vollen Pracht genießen können:

Blick zum Jenner am Königssee – Kontrastreich, scharf und klare Farben (Foto: E. Pekowski)

Dann wäre die Geschmacklosigkeit während einer normalen Grippe oder schweren Erkältung (oder der „tödlichen Männergrippe“, die auch nicht verharmlost werden darf, solange nicht geklärt ist, woran die Dinos ausgestorben sind 😉 ) so zu verstehen, als würde man alles nur noch sehr stark verschwommen wahrnehmen, wie als wenn man durch eine dünne Milchglasscheibe schauen würde. Mit dem Bild wieder erklärt, würde es dann so aussehen:

Das gleiche Bild, jedoch „voll verschnupft“

Farben, Konturen, Hell, Dunkelheit … all dies würde man noch erkennen können.
Der Geruchs- und Geschmacksverlust bei meiner Covid-Erkrankung war für mich eher, als würde ich schlagartig erblinden… nur schwarz, sonst nix.
Zu diesem Zeitpunkt wagte ich ein Experiment:
Ich nahm je einen Teelöffel mit Mayo, Ketchup, Senf (ich hasse Senf), Marmelade und Zahnpasta.
Die Löffel habe ich dann beschriftet und auf einen Teller, der auf einer drehbaren Unterlage befestigt war mir einem Kebestreifen fixiert. Ich hatte dann meine Augen verbunden und den drehbaren Löffelteller vorsichtig gedreht.
Nach einer verdrehten Zeit habe ich dann einen Löffel genommen und den Geschmack getestet.
Dann wieder den Teller weiter gedreht… aber ich konnte absolut keinen Unterschied feststellen, außer der Marmelade, die sich auf Grund ihrer Konsestenz verraten hatte. Senf hielt ich für Mayo, Zahnpasta für Ketchup und den Ketchup schätzte ich als Senf ein und auch die Mayo konnte ich nicht zuordnen… zur Identifizierung hatte ich tatsächlich nur noch die Cremigkeit.
Nach ca. 2 Monaten kam ein ganz kleiner und minimaler Teil wieder zurück. Scharf, Bitter, Salzig oder Süß (eben das was man direkt über die Zunge wahr nehmen kann) konnte ich dann leicht wieder „schmecken“.
Es wäre um den Vergleich wieder zu verwenden so, als könne ich ein Gemälde nur sehr klein und in schwarz/weiß sehen:

Noch weit davon entfernt, aber ein Anfang!

Dieser Zustand ist noch weit davon entfernt, um als „richtiger Geschmack“ durch zu gehen. Aber ein Hoffnungsschimmer, dass ich irgendwann alle meine Sinne wieder bekommen kann… hoffentlich.

Drei weitere Monate später hatte ich dann plötzlich genau EINEN Geschmack wieder zurück.
Wie soll ich diesen nur erklären… Irgendwie ähnlich wie an der Tankstelle, mit frischer Sprühfarbe, sehr süßlich.
Anfangs freute ich mich, aber dieser Geruch ist mir nun sehr unangenehm, vor allem schmeckt alles entweder nach nichts oder genau nach diesem einen Geruch… egal ob Pommes, Salami, Obst, Motor-Abgase vom Roller oder die Dame, die vermutlich jeden Tester in der Pafümerie ausprobiert hatte. Und weiterhin sind die meisten Sachen für mich nach wie vor geruchslos. Es ist so, als würde ich vom großen ganzen nur einen winzigen Teil wahrnehmen.
Vergleiche ich es wieder mit dem Bild, wäre es so, als würde ich zwar erkennen, ob es salzig, bitter, süß oder scharf ist, aber nur einen Teil der Aromen oder nur genau eine Farbe wahr nehmen können, würde das Bild so aussehen:

Fast alles ist gleich und einige Sachen nehme ich nun anders wahr. Dinge, die ich früher sehr gerne gemocht hatte, kann ich jetzt absolut nicht mehr leiden, da meine Wahrnehmung total irritiert ist.
Der Himmel ist normalerweise richtig blau! Aber im Bild setzt sich das tiefe Blau auch aus einen großen Teil Rot mit zusammen. Die Grund(licht)farben sind Rot, Blau und Grün. Nimmt man dem Foto nun das Grün und Blau zu 97% weg, erhält man so ein Ergebniss. Es wirkt falsch und nicht so schön, wie das wirkliche Bild.
Nun hat der Juni begonnen und mein Geruchs- und Geschmacksinn haben sich nicht weiter verbessert. Ich hoffe sehr, dass dies dennoch mit der Zeit wieder kommt und ich das „Bild“ wieder voll genießen kann.
Bis dahin vermisse ich den Geschmack eines guten Essens… den Geruch am Morgen oder nach einem Sommerregen oder einer frischen Wiese oder der angenehme Geruch im Wald oder der Geruch beim grillen, der einem das Wasser im Mund zusammen laufen lässt oder der Geruch nach frischem Holz, wenn man neue Möbel hat oder sich ein neues Regal gebaut hat… … … Erinnerungen, die leider langsam schon anfangen zu verblassen.

Neben meinem Verlust des Geruchs- und Geschmackssinns hab ich leider noch etwas beibehalten von der Infektion.
Mir fehlt einfach die Kraft und Energie, einen Tag normal aktiv seien zu können.
Es wurde immer schlimmer und ging so weit, dass ich auf der Arbeit „einfach so“ einen Blackout hatte… ein Gefühl, als würde jemand einem den Stecker ziehen… es gehen einfach die Lichter aus.
Die Ärzte bezeichnen das was ich habe als eine Form von „Long-Covid“ und leider ist es (Stand Juni2021) noch komplett unerforscht.
Die Fachärzte sind leider alle komplett überlastet und Termine zu bekommen ist schwieriger, als einer Kuh das fliegen beizubringen. Ich habe aktuell Wartezeiten von mindestens 3 Wochen zwischen den Untersuchungsterminen.
Leider wird mein Zustand „nur von Ruhe zu Hause“ nicht wirklich besser. Im Gegenteil, ich kann mich aktuell nicht länger als 2 Stunden am Tag konzentrieren oder 3 Stunden aktiv was machen, wie z.B. Einkaufen gehen, Haushalt, Reperaturen, Bastelleien, … oder einfach nur stehen oder gehen.
Den Rest stitze ich entweder vor dem PC und schaue ein paar einfache Serien oder höre etwas Musik oder ich liege einfach kraftlos im Bett und warte einfach darauf, dass der Tag vorbei ist.
„Ja wenn du so viel im Bett liegst, musst du doch richtig fit und ausgeschlafen sein!“ – Nein, ganz klares nein!
Denn auch wenn ich so lange „ruhe“, ist es weder angenehm, noch erholsam. An manchen Tagen fehlt mir sogar die Kraft zum aufstehen. Der Weg zur Toilette und zurück ins Bett ist dann Belastung genug für den Tag gewesen.
„Mach mal Sport! Dann bist du schnell wieder Fit!“ – Ne, leider hat Corona meine Lunge und mein Herz angegriffen.
Allein schon mehr als 20 Treppenstufen steigen, kommt mir vor, als würde ich in 2500m Höhe einen 16km Marsch hinter mir zu haben. Schweres Stechen quer in der Brust inklusive.

So weit zu meinem aktuellen Status. Was mich am meisten an der Sache ärgert ist, dass ich einer der wenigen auf der Arbeit war, der seit Corona im Umlauf ist, sich an alle mir möglichen Maßnahmen gehalten hatte.
Ich habe auf Treffen verzichtet, auf Ausflüge, auf Shopping, habe draußen (auch wenn meine Brille immer wieder beschlug) eine OP-Maske getragen, hatte immer ein Desinfektionsspray für Hände und Einkaufswagengriffe in der Tasche.
Andere gingen Feiern, Saufen, Kuscheln, drängeln sich in volle Kaufhäuser, Scheiss-auf-Maske-ich-kann-nicht-so-richtig-atmen und meine speziellen Freunde: die „Corona gibt es nicht“-Fraktion.
Diesen asozielen Idioten haben wir es zu verdanken, dass wir das Virus so lange nicht in den Griff bekommen haben.
Diesen asozialen Idioten haben wir es zu verdanken, dass so viele Menschen unnötig leiden, leiden mussten oder gar gestorben sind!
Diese Verharmlosung ist verdammt gefährlich und den Schaden hab nicht nur ich, sondern Millionen Menschen weltweit.
Meine Hoffnung beruht nun darauf, dass es der Medizin gelingt etwas zu finden, was die Symptome von Long-Covid lindern oder sogar heilen kann. Der Impfschutz nimmt ja zum Glück richtig fahrt auf und viele meiner Bekannten und auch meine Eltern sind schon geimpft worden. Ich selbst warte leider noch immer auf eine Impfung, trotz Prio-Gruppe 3 bekomme ich noch keinen Termin. Dennoch glaube ich, dass wir den Virus bis spätestens Ende Herbst besiegt haben werden… wenn nicht irgendwelche Superspreader die nächste Welle lostreten…

Danke an alle, die wirklich bis hier hin alles gelesen haben. Ich musste das alles mal loswerden.
Auf Twitter ist viel zu wenig Platz, auf Instagram bin ich eher nur mit meinem Motorrad und Pokémon-Hobbie unterwegs und das Fratzenbuch ist für mich nicht existent!
Bleibt bitte gesund! Haltet bitte noch ein wenig durch und beachtet weiterhin die Hygiene-Regeln!
Ich hoffe, ich werde bald wieder aktiver im Leben teilnehmen können.


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